Wir leben in einer Zeit, in der persönliche Entwicklung beinahe selbstverständlich geworden ist und doch fühlen sich immer mehr Menschen einsam. Es gibt Programme, Methoden, Routinen, Coachingangebote, Podcasts und Strategien für nahezu jede Lebenslage. Wer wachsen möchte, findet Inhalte. Wer sich optimieren möchte, findet Werkzeuge.
Und doch bleibt eine Frage:
Warum fühlen sich so viele Menschen trotz all dieser Möglichkeiten allein?
In Deutschland geben rund 16 Prozent der Bevölkerung an, sich häufig einsam zu fühlen. Weitere Erhebungen zeigen, dass bis zu ein Drittel der Menschen zumindest zeitweise Einsamkeit erlebt – besonders junge Erwachsene sind stark betroffen. Diese Zahlen sind kein Randphänomen. Sie zeigen eine Verschiebung.
Warum sich Menschen trotz Entwicklung einsam fühlen
Entwicklung ist zur Einzelaufgabe geworden.
Wer an sich arbeitet, tut das oft im Stillen.
Viele suchen gezielt nach Tools und Strategien zur Verbesserung
Bleibt der gewünschte Fortschritt aus, folgt häufig der nächste Impuls.
Was dabei häufig fehlt, ist Resonanz.
Digitale Plattformen vermitteln Nähe. Aber Follower sind keine Vertrauten. Sichtbarkeit ist keine Zugehörigkeit. Algorithmische Netzwerke, Businesskontakte oder lose Community-Mitgliedschaften ersetzen kein echtes Gespräch.
Viele investieren enorme Energie in ihre Außendarstellung – mit der Hoffnung, gesehen zu werden. Doch Sichtbarkeit bedeutet nicht automatisch Verbindung. Und Verbindung ist das, was Menschen langfristig stabilisiert.
Psychologische Forschung zeigt seit Jahrzehnten, wie zentral Zugehörigkeit für unser Wohlbefinden ist. Wer sich eingebunden fühlt, ist resilienter, zufriedener und emotional belastbarer. Entwicklung entsteht nicht nur durch Selbstreflexion – sie entsteht durch Austausch.
Vielleicht liegt genau hier der Wendepunkt.
Sichtbarkeit ersetzt keine Zugehörigkeit
Nicht noch eine Methode.
Nicht noch ein Optimierungsschritt.
Sondern Räume, in denen Menschen sich begegnen.
Gemeinschaft bedeutet nicht, dass alle einer Meinung sind.
Sie bedeutet, dass Fragen geteilt werden dürfen.
Dass Unsicherheiten ausgesprochen werden können.
Dass Entwicklung nicht isoliert stattfindet.
Im Begleit- und Coachingumfeld wird viel über Sichtbarkeit, Positionierung und Reichweite gesprochen. Weniger Aufmerksamkeit erhält die Frage, wie tragfähige Strukturen entstehen, in denen Menschen nicht nur Inhalte konsumieren, sondern einander unterstützen.
Die Zukunft persönlicher Entwicklung könnte kooperativer sein, als wir lange gedacht haben.
Vielleicht braucht es weniger Einzelkämpfer und stattdessen mehr Resonanzräume.

Tanja Schillmaier beschäftigt sich mit Fragen von Gemeinschaft, Orientierung und tragfähiger Begleitung in beruflichen wie privaten Lebensphasen. Sie initiiert und gestaltet mit Leben auf Kurs und dem Communityformat „Tacheles mit Honig“ Räume der Begegnung, in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Gleichgesinnte sich leichter finden und neue Perspektiven entwickeln können.
Ein besonderer Fokus liegt darauf, den Coaching- und Begleitmarkt durch kooperative, gemeinschaftlich tragfähige Konzepte weiterzuentwickeln und Wege zu fördern, die über den klassischen Einzelkämpfer-Modus hinausgehen. Neben ihrer Arbeit an gemeinschaftlichen Formaten ist sie Autorin mehrerer Bücher.
